Jahresthema 2024: Genozid an den Roma & Sinti

Das OeAD-Programm ERINNERN:AT widmet sich 2024 in einem Jahresschwerpunkt dem Genozid an den europäischen Roma und Sinti sowie der schulischen Vermittlung dieses Themas.

Das Europäische Parlament erklärte 2015 den 2. August zum Europäischen Gedenktag für den Völkermord an den Roma, Romnja und Sinti, Sintizze. 2023 wurde dieser auch vom österreichischen Nationalrat einstimmig bestätigt und am 2. August 2023 das erste Mal offiziell bedacht. Außerdem wurde in diesem Zusammenhang die Errichtung eines zentralen Denkmals für die Ermordung der Sinti und Roma in Österreich in Aussicht gestellt.

Das OeAD-Programm ERINNERN:AT nimmt dies zum Anlass, 2024 einen Jahresschwerpunkt auf den Genozid an den europäischen Roma und Sinti zu legen. Höhepunkt der Aktivitäten zum Jahresschwerpunkt wird das  Zentrale Seminar sein, welches vom 14. bis 16. November 2024 in Stadtschlaining im Burgenland stattfinden wird.

Darüber hinaus organisiert und entwickelt ERINNERN:AT zahlreiche weitere Veranstaltungen und Bildungsangebote zum Jahresschwerpunkt, über die wir auf dieser Seite regelmäßig informieren werden. Weiters finden Sie hier eine kommentierte Sammlung von Lehr- und Lernangeboten zum Thema Genozid an den Roma und Sinti, die über das Jahr stetig erweitert wird und deutschsprachige sowie internationale Materialien und Projekte vorstellt.

Den Auftakt des Jahresschwerpunkts bildet die Präsentation der Digitalen Erinnerungslandschaft Burgenland, die anlässlich des Internationalen Holocaust Gedenktags Ende Jänner, am 05.02.2023 in Oberwart stattfindet.

Geschichtliche Hintergründe und Aufarbeitung


Rund 500.000 Roma, Romnja und Sinti, Sintizze wurden während des Holocaust ermordet als Opfer einer rassistischen Verfolgungspolitik deutscher Nazis und ihrer faschistischen Verbündeten. Doch dieser Völkermord ist heute weitgehend unbekannt. Roma und Sinti wurden in Vernichtungslagern getötet und fielen in Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern Hunger und Krankheiten zum Opfer. Viele wurden deportiert und als ZwangsarbeiterInnen ausgebeutet, auf Bauernhöfen, auf Baustellen und in der Industrie. Die Überlebenden wurden jahrzehntelang nicht als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung anerkannt und erhielten nur geringe oder überhaupt keine Entschädigungszahlungen für ihren verlorenen Besitz. 

Die Geschichte der Roma vor 1938 - Die größte europäische Minderheit

Der nationalsozialistische Genozid an den europäischen Roma und Sinti




Foto: „Verzeichnis über das bewegliche und unbewegliche Vermögen der von Halbturn nach Lackenbach abtransportierten Zigeuner“, 7.2.1942 (Privatbesitz Herbert Brettl).

Definition von Antiziganismus


Bis heute ist Antiziganismus ein zu wenig beachtetes Phänomen, auch in Österreich. Grundlage einer antiziganismuskritischen Bildungsarbeit sollte eine präzise Definition sein, was Antiziganismus ist und in welchen Formen er in Erscheinung treten kann. Am 7. April 2021 nahm Österreich die Arbeitsdefinition der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance) an, die „Antiziganismus“ wie folgt beschreibt:

„Antiziganismus manifestiert sich in individuellen Äußerungen und Handlungen sowie institutionellen Politiken und Praktiken der Marginalisierung, Ausgrenzung, physischen Gewalt, Herabwürdigung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hassreden, die gegen Sinti und Roma sowie andere Einzelpersonen oder Gruppen gerichtet sind, die zur Zeit des Nationalsozialismus und noch heute als ‚Zigeuner‘ wahrgenommen, stigmatisiert oder verfolgt wurden bzw. werden. Dies führt dazu, dass Sinti und Roma als eine Gruppe vermeintlich Fremder behandelt werden, und ihnen eine Reihe negativer Stereotypen und verzerrter Darstellungen zugeordnet wird, die eine bestimmte Form des Rassismus darstellen. (…)“

Zur gesamten Definition


Foto: Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma, Berlin (© Marko Priske. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin/Deutschland).

Pädagogische Materialien zum Jahresschwerpunkt


Wie lässt sich das Thema Genozid an den Roma und Sinti im Unterricht behandeln? Hier finden Sie eine stetig wachsende kuratierte Sammlung an pädagogischen Materialien und Medien, die ERINNERN:AT für die Auseinandersetzung im Unterricht empfiehlt. Die Angebote gehen dabei sowohl auf den Genozid selbst aber auch auf die Geschichte der Roma und Sinti vor dem Zweiten Weltkrieg sowie auf die Folgen des Genozids und dessen Aufarbeitung ein.

Als zentrales Angebot zum Themenschwerpunkt von ERINNERN:AT findet sich darunter die internationale Lernwebsite romasintigenocide.eu. In insgesamt 12 Sprachen bietet sie PädagogInnen Hilfestellung bei der Behandlung des Themas und stellt SchülerInnen ausgearbeitete Arbeitsblätter bereit, die sich mit historischen Ereignissen, Orten der Vernichtung sowie Biografien befassen.


Zur Sammlung




Foto: Eine auf romasintigenocide.eu thematisierte Biografie ist jene von Max Bamberger – (rechts); hier im Kreise seiner Familie im Jahre 1935 (© Dokumentationszentrum deutscher Sinti und Roma, Heidelberg/Deutschland).

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen


Stefan Horvath spricht im ZeitzeugInnen-Programm von ERINNERN:AT an Schulen über den Genozid an den Roma und die schleppende Aufarbeitung und Erinnerung daran. Er wurde 1949 in einer Romasiedlung in Oberwart geboren und engagiert sich heute als Zeitzeuge der zweiten Generation. Seine Eltern überlebten das Vernichtungslager Auschwitz. Im Februar 1995 wurde Stefan Horvaths Sohn Peter Sarközi Opfer des rassistisch und völkisch motivierten Rohrbombenattentats auf Roma im Burgenland:
Weitere Informationen zu Schulbesuchen


Auf www.weitererzaehlen.at sammelt und präsentiert ERINNERN:AT Video- und Audiointerviews mit Verfolgten des Nationalsozialismus, die einen Bezug zu Österreich haben. Hier finden sich derzeit 15 Video-Interviews mit Roma, Romnja und Sinti und Sintizze, die über den Genozid und die Diskriminierung vor und nach dem Genozid berichten; darunter beispielsweise die Schriftstellerin und Künstlerin Ceija Stojka (1933-2013). Als angehörige der Lovara-Roma wurde sie mit ihrer Mutter und mehreren Geschwistern in die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Bergen-Belsen deportiert und überlebte. 
Zu den Video-Interviews


Foto: Stefan Horvath beim Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Seminar von ERINNERN:AT 2022 (© OeAD/APA-Fotoservice/Rastegar)

Veranstaltungen

Hier informieren wir fortlaufend über Termine zum Jahresschwerpunkt: Gedenkveranstaltungen, Präsentationen konkreter Lernmaterialien und Projekte, Filmvorführungen sowie Fortbildungen für PädagogInnen. Bereits zum Vormerken: Vom 14. bis 16. November 2024 findet das diesjährige Zentrale Seminar von ERINNERN:AT in Stadtschlaining im Burgenland statt. Übersicht aller Termine zum Jahresschwerpunkt

Veranstaltung zum Jahresschwerpunkt von ERINNERN:AT 2024 „Die schulische Auseinandersetzung mit dem Genozid an den europäischen Roma und Sinti.“

Veranstaltung zum Jahresschwerpunkt von ERINNERN:AT 2024 „Die schulische Auseinandersetzung mit dem Genozid an den europäischen Roma und Sinti.“

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Präsentation: Digitale Erinnerungslandschaft – DERLA Burgenland

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